Wie Paare für das Alter vorsorgen

18.1.2012 – Dem Thema Altersvorsorge begegnen die Menschen heute mehr denn je mit großer Unsicherheit und zum Teil irrationale Strategien. Die gilt auch für das Vorsorgeverhalten von Paaren, wie aus der jüngsten, von der Deutschen Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in Auftrag gegebenen Studie hervorgeht. Dabei wurden neben der klassischen Befragung von Psychologen auch intensive zweistündige Gespräche geführt. Im Ergebnis wurden sechs Verhaltensmuster herausgearbeitet.

Die Studie „Psychologie der Altersvorsorge – Wie entscheiden Paare?“ zum Vorsorgeverhalten von Paaren erhebt nicht den Anspruch einer repräsentativen Untersuchung des Vorsorgeverhaltens von Paaren. Die Altersgrenze wurde von 25 bis 50 Jahre gezogen, wobei ein Haushaltseinkommen von brutto 30.000 bis 90.000 Euro im Jahr vorliegen sollte.

Damit seien Haushalte untersucht worden, die zum einen für das Alter vorsorgen könnten und zum anderen vom Ruhestand zeitlich noch entfernt seien, sagte der Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald, einer der drei Autoren der Studie, vor der Presse in Berlin.

„Bereits die Kombination der Worte Alter und Sorge konfrontiert unweigerlich mit der eigenen Sterblichkeit.“ Beliebt seien bei Paaren vor allem Produkte, die hohe Flexibilität im Alter versprächen und damit neben einer finanziellen auch eine psychologische Rendite gewährleisteten, ergänzte DIA-Sprecher Bernd Katzenstein zu den Studienergebnissen von Rheingold – Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen.

Der Tod wird ausgeblendet und der Ruhestand zum Dauerurlaub verklärt
Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass Menschen das Thema Altersvorsorge auszublenden, kleinzureden oder zu verschieben trachteten, erläuterte Grünewald. Lieber werde das heutige Leben in den Vordergrund gerückt.

Andererseits demonstriere man durch vielfältige, aber häufig unkoordinierte Aktivitäten Beweglichkeit und Lebendigkeit. Man wolle mit seinen Finanzanlagen zeigen, dass man überhaupt etwas tue, denn damit könne man sich beruhigen. Im Ergebnis habe man sechs Verhaltensmuster herausfiltern können, wobei die Palette vom Sicherheitsdenker bis zum Angsthasen reiche.

Gut jeder Zweite erweist sich als Hamsterer oder Umschichter
Betrachtet man die Häufigkeitsverteilung der sechs Verhaltensmuster, so nimmt der „hortende Hamsterer“ mit 26 Prozent den ersten Rang ein. 47,8 Prozent sind männlich und 52,2 Prozent weiblich. 54,7 Prozent dieser Gruppe verfügen über eine Immobilie. Dieser Typus sucht Vorteile wie staatliche Förderungen und häuft Vermögen an. Er hat aber auch immer das Gefühl, dass das Vermögen nie reichen wird.

Auf einen Anteil von ebenfalls 26 Prozent kommen die „planvollen Umschichter“ (49,5 Prozent männlich, 50,5 Prozent weiblich). Dieser Typus, der zu 47 Prozent über ein Eigenheim verfügt, erweist sich als sehr organisiert und ökonomisch versiert. In jeder Lebensphase würde die Altersvorsorge komplett umgestellt, erklärte Grünewald. „Beide Partner haben das beruhigende Gefühl, die Zukunft in der Hand zu haben.“

Viele agieren eher planlos
Gut jedes siebte Paar zählt zur Gruppe der „sorglosen Ignorierer“, die sich höchst ungern mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen (43,5 Prozent männlich, 56,5 Prozent weiblich, 34,8 Prozent mit Immobilienbesitz). „Wir neigen dazu, Altersvorsorge nicht zum Thema zu machen. Die Rente ist noch 30 Jahre hin, das ist viel Zeit“, so ein Zitat aus einem Intensiv-Gespräch.

Etwa jedes achte Paar ist den „abwartenden Angsthasen“ (44 Prozent männlich, 56 Prozent weiblich, 37,9 Prozent Eigenheim) zuzuordnen, die sich durch eine geringe Entscheidungsfreude „auszeichnen“. Deshalb würden viele Entscheidungen in einer ewigen Warteschleife verharren, während das Geld häufig auf einem Tagesgeldkonto angelegt werde.

„Lockere Verteiler“ und „getriebene Jongleure“ runden das Bild ab
Auf den Typus des „lockeren Verteilers“ entfällt rund jedes neunte Paar (55,6 männlich, 44,4 weiblich, 43,4 Prozent mit Eigenheim). Die Anlagestrategie dieser Menschen gleiche dem Verhalten eines Eichhörnchens, sagte Grünewald. Sie haben zwar eine Reihe unterschiedlicher Vorsorge-Depots angelegt, ohne aber genau zu wissen, wo und was man alles habe. Gleichwohl sehe man voller Zuversicht dem Alter entgegen.

Schließlich filterten die Wissenschaftler noch den „getriebenen Jongleur“ (sieben Prozent) heraus. Dieser ist typischer Weise männlich (58,6 Prozent) und verfügt über eine Immobilie (67,2 Prozent). Hier werde ständig mit unterschiedlichen Anlageformen experimentiert. „Die Vorsorge-Strategie ist vielseitig, wirkt aber zugleich unsystematisch“, erklärte Grünewald. Auffällig sei hier auch, dass die Partnerschaft nicht sehr innig und gefestigt erscheine.

Autor: Manfred Brüss

(Quelle:Versicherungsjournal 18.01.2012)

 

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