Schlecht versichert: Allianz & Co. unter Druck!

Lieber Geldanleger,

bei den Versicherern ist ordentlich Druck im Kessel. Gründe gibt es viele: Die weltweit kriselnde Wirtschaft, die Turbulenzen um den Euro, das Japan-Beben, Solvency II und die Lustreisen-Affäre. Angesichts fehlender Anlagealternativen stecken die Versicherer in der Zinsfalle. Und sowohl Kunden als auch Anleger laufen ihnen davon.

Lebensversicherungen gehörten über Jahrzehnte zu den beliebtesten und auch begehrtesten Anlageprodukten der Deutschen. Sie galten als sicher, solide und rentabel. Von diesem Image, das im Übrigen nie so ganz stimmig war, ist wenig geblieben.

Inzwischen ist der Anti-Krisen-Nimbus nämlich gehörig ins Wanken geraten, Kunden und Anleger sind deutlich misstrauischer geworden. Angeblich verzeichnet der deutsche Zweitmarkt für Lebensversicherungen – hier werden die Ansprüche aus bestehenden Verträgen während der Laufzeit gehandelt – einen regelrechten Kundenansturm.

Der Branchenverband selbst bestreitet das (noch!), etwas anderes hätte man allerdings auch kaum erwartet. Dabei ist gar nicht wegzudiskutieren, dass die Anleger verunsichert sind. Bedarf für den Verkauf von Policen auf Seiten der Versicherten besteht jedenfalls nach wie vor. Viele müssen ihre Verträge stornieren, weil sie Geld brauchen oder wollen unbedingt verkaufen, weil sie meinen, das Wirtschaftssystem in der Eurozone stehe kurz vor dem ultimativen Crash.

Tatsächlich ist für die meisten Assekuranzen – auch die großen Player – die Lage durchaus prekär: Ein Großteil der Kundengelder ist in festverzinsliche Wertpapiere angelegt worden, insbesondere in Staatsanleihen. Und diese sind – um es vorsichtig zu formulieren – nun wirklich nicht mehr das, was sie früher waren. Das gab im Gespräch mit dem Börsenportal der ARD jüngst Nikolaus von Bomhard, Chef des Rückversicherers Münchener Rück, zu.

Risikofaktor Staatsanleihen

Die Allianz hat 28 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert. Die Münchener Rück hält in den PIIGS-Ländern Staatspapiere im Wert von rund zehn Milliarden Euro. Laut Angaben der Aufsichtsbehörde BaFin liegen immerhin rund neun Prozent der Kapitalanlagen der deutschen Lebensversicherer in Anleihen der PIIGS-Staaten. Kommt es zur Verschärfung der krisenhaften Situation in Spanien, Italien oder sogar Frankreich – der Zwerg Griechenland spielt in diesem Zusammenhang ausnahmsweise keine Rolle – stehen Allianz, AXA und auch Generali möglicherweise sehr schnell vor einem gigantischen Scherbenhaufen. „Wenn Italien und die Banken wackeln, dann werden einige Versicherer eine Rekapitalisierung brauchen“, meinte Christian Muschik, Analyst von Silvia Quandt Research, im „Handelsblatt“.

Mehr Eigenkapital wäre dann nötig, wenn die Anleihen herabgestuft werden. Das bedeutet: Der Kunde – wir alle also – müssten bluten. Und tun das ja ohnehin jetzt schon. Denn die Überschussbeteiligung schrumpft dann nur noch weiter. Bereits im letzten Jahr betrug sie im Durchschnitt nur noch 4,1 Prozent.

Problem: Niedrigzinsen

Wenig Vergnügen bereitet auch der Blick auf den Garantiezins. Im Neugeschäft winken gerade noch 2,25 Prozent. Ab dem kommenden Jahr beträgt der garantierte Zins sogar nur noch 1,75 Prozent. Das Problem für die Assekuranzen: Die Politik der kriseninduzierten und politisch gewollten Niedrigzinsen geht weltweit in eine neue Runde. Das sind schlechte Nachrichten für die gesamte Branche.

Vor allem Lebens- und Krankenversicherer leiden erheblich unter den niedrigen Zinsen, da immer mehr ältere, vergleichsweise hoch verzinste Papiere auslaufen, Neuanlagen aber fast immer niedriger verzinst werden. Gleichzeitig müssen die Versicherer aber im Schnitt immer noch 3,4 Prozent verdienen, die sie über alle Tarifgenerationen hinweg ihren Altkunden garantiert haben.

Das geht direkt an die Gewinne und über kurz oder lang an die Substanz. Schon jetzt ist klar, dass die Versicherungskonzerne darauf mit weiteren Kostensenkungsprogrammen reagieren müssen. Dennoch gibt es auch Positives zu berichten: So waren die jüngsten Quartalsberichte der großen Versicherungskonzerne durchweg ermutigend. Auch die Verschuldung innerhalb der Branche ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dazu kommt eine deutlich attraktivere Bewertung des Sektors im Vergleich zum Krisenjahr 2008.

Goldman Sachs sieht darum auch ein Aufwärtspotenzial im Durchschnitt von 34 Prozent. Auch wenn ich diese optimistische Einschätzung nicht ganz teilen kann (aus den genannten Gründen): Dass der Anlagenotstand und die düsteren Perspektiven in der Lebensversicherung zu einer Pleitewelle führen wird wie in Japan in den 90er Jahren, glaubt niemand.

Quelle: Armin Brack, Chefredakteur

 

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