Was hat der Terrorist Anis Amri, betrügerische Banker und ein Baufinanzierungsantrag gemeinsam?

Von Andreas Wenzel

In der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Januar finden sich zwei bemerkenswerte Artikel. Beim ersten geht es um ein Computerprogramm, das Behörden frühzeitig vor Terroristen warnt. Der zweite findet sich im Wirtschaftsteil, trägt den Titel "Der flüstert doch am Telefon!" und beschreibt eine Software, die kriminelle Banker und Börsenhändler entlarven soll. Gemeinsam ist beiden Artikeln, dass in der Analyse nicht mehr der Mensch die Hauptrolle spielt, sondern ein Algorithmus. (Die Links zu den Artikeln gibt es am Ende des Textes.)

Es klingt wie eine Mischung aus George Orwell und Minority Report: Aus Tausenden Verhaltensdaten versucht eine Software Wahrscheinlichkeiten zu errechnen, Muster zu erkennen, Schlüsse zu ziehen. Beim Börsenhändler können das z.B. sein die Stimmlage beim Telefonieren, die Frequenz von Kantinenbesuchen und die Zahl der Toilettengänge. Beim Terroristen militärische Erfahrung, der soziale Status, das Surfverhalten im Internet und anderes. Das Ziel ist eine Antwort auf die Frage: Wo sitzen die Gefährder?

Damit sind wir bei der privaten Baufinanzierung. Hier haben Algorithmen, auch Scoring genannt, schon längst Einzug gehalten. Denn auch Banken wollen ihre "Gefährder" kennen, also die Kunden, die ihre Kredite nicht zurückzahlen werden. Und dies möglichst vor der Kreditvergabe, damit der Kredit gar nicht erst genehmigt wird. Die relevanten Parameter sind natürlich andere: Alter, Beruf, Verdienst, Zahlungsverhalten.

Im bankinternen Scoring werden diese Merkmale mit Punkten bewertet, gewichtet und zu einem einzelnen Score Wert verdichtet. Ist dieser ausreichend hoch, wird der Kredit genehmigt. Das bedeutet, dass ein Kunde, der mit seinen Einzelmerkmalen eigentlich alle Anforderungen an eine Baufinanzierung erfüllt, durch die Kombination der Merkmale eine Ablehnung erfährt.

Beispiel gefällig? Eine Bank möchte nur Kunden im Alter zwischen 18 und 55. Sie finanziert Arbeiter, Angestellte und Selbständige, die nach Finanzierung eine positive Haushaltsrechnung haben. Scoring bedeutet, dass nicht jeder einen Kredit bekommt, der diese Voraussetzungen erfüllt, sondern nur die Kunden, mit - aus Banksicht - günstigen Merkmalkombinationen. Der 55jährige Selbständige mit positivem, aber knappem Haushaltsüberschuss hat dabei eine höhere Ablehnungswahrscheinlichkeit als der 35jährige Angestellte mit höherem Überschuss.

In der Baufinanzierungspraxis geht es nicht nur um ein paar Parameter, sondern oft um hunderte. Es gibt kaum noch Banken, die auf ein ausgefeiltes Scoring verzichten.
Aus Bankensicht überwiegen die Vorteile: Die Kreditentscheidung wird standardisiert, beschleunigt und dadurch kostengünstiger. Der Nachteil aus Kundensicht: Viele Banken sind gar nicht mehr bereit, sich individuell mit einem Kunden und seinem Vorhaben auseinanderzusetzen.

Hinzu kommt, dass die Entlassungswelle der letzten Jahre die Bereitschaft der Kreditentscheider stark gehemmt hat, von Vorgaben in begründeten Einzelfällen auch mal abzuweichen. Es zählt also nur noch das 08/15-Vorhaben ohne größere Besonderheiten, das vom Computer gut erfasst und einfach analysiert werden kann.

Darüber zu lamentieren ist müßig. Wichtiger ist es, die Bankenprozesse zu akzeptieren, zu verstehen und sein eigenes Vorhaben entsprechend anzupassen, wenn es Aussicht auf Erfolg haben soll. Dabei kann Ihnen ein Finanzierungsfachmann mit seiner Erfahrung helfen.

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Links
www.sueddeutsche.de/politik/innere-sicherheit-wie-ein-computerprogramm-attentaeter-aufspueren-will-1.3342201
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schurken-erkennungssoftware-der-fluestert-doch-am-telefon-1.3341601

Vielen Dank für Ihre Unterstützung
Thomas Krosse und Christoph Geiler

 

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